Als der Venezianer Giancarlo Galan im März Kulturminister wurde, setzte die italienische Kulturwelt Hoffnung auf einen neuen Kurs im Ministerium. Aber außer ein paar forschen Sprüchen hat Galan seitdem nicht viel zustande gebracht. Und bei der einzig wichtigen Personalentscheidung seiner Amtszeit, der Berufung des Präsidenten der Biennale von Venedig, hat er zudem eine prächtige Bauchlandung hingelegt. Für den Posten berief Galan den Manager Giulio Malgara, einen persönlichen Freund Silvio Berlusconis, der sich vor allem in der Werbeindustrie einen Namen gemacht hat (SZ vom 8.10.). Bei der Anhörung im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses gab es nur eine Patt-Entscheidung über die Personalie, dann wuchs in der Öffentlichkeit der Widerstand. Einem Protestaufruf der Lokalzeitung La Nuova Venezia, den in wenigen Tagen 4500 Personen aus dem Kulturleben unterzeichneten, schlossen sich auch Internationale Persönlichkeiten an, zum Beispiel Nicholas Serota, Direktor der Tate Gallery London, oder Alfred Pacquement, Leiter des Centre Pompidou. Der Bürgermeister Venedigs, Giorgio Orsoni, forderte eine Verlängerung des Vertrages mit dem bisherigen, erfolgreich agierenden Präsidenten Paolo Baratta. Giulio Malgara warf jetzt das Handtuch and zog seine Kandidatur zurück. So konnte Kulturminister Galan wenigstens zum Ende seiner Amtszeit "bella figura" machen, indem er auf eine Berufung verzichtete. Die Entscheidung muss nun der zukünftige Kulturminister treffen. Und wenn Mario Monti wirklich ein Kabinett aus Fachleuten zusammenstellt, werden schon Wetten darüber abgeschlossen, dass der neue Kulturminister Paolo Baratta heißen könnte.