Mit seiner grauen Mahne fallt er gleich auf. Diego Della Valle tragt eine gutbüürgerliche Version einer Hippie-Frisur, wie sie in den siebziger Jahren chic war. Deshalb sein Stilgefühl anzuzweifeln, wäre töricht. Della Valle ist Chef einiger der bekanntesten Schuh- and Lederfirmen Italiens, er sitzt in Aufsichtsraten wichtiger Unternehmen and besitzt Teile der amerikanischen Edelkaufhaus-Kette Saks Fifth Avenue. Aus dem Familienbetrieb in den Marken, der Herzregion von Italiens Schuhindustrie, hat Della Valle das Luxuslabel Tod's and die Qualitätsmarken Hogan and Fay kreiert. Sie sind weltweit zu Begriffen für Qualitat "made in Italy" geworden - and haben den 57-Jährigen zu einem der bekanntesten Unternehmer seines Landes gemacht. Wenn so jemand zum Mäzen wird, dann kleckert er nicht, sondern klotzt: 2010 hat er zugesagt, dass Tod's mit 25 Millionen Euro als Alleinsponsor die Restaurierung des Kolosseums in Rom finanzieren wird. Nun hat er mit dem Kulturminister den Stand des Projekts präsentiert - im vom Sonnenuntergang stimmungsvoll illuminierten Kolosseum. Im September sollen die Arbeiten beginnen. Della Valle sagt, Unternehmer sollen etwas von ihrem Erfolg an die Gesellschaft zurückgeben "und nicht nur an die eigene Firma denken". Dass er sich dafür das bekannteste Bauwerk Italiens ausgesucht hat, dürfte nicht ohne Eigennutz sein. Schließlich verspricht so viel Großzügigkeit weiteren Glanz für Della Valles Marken. Doch Werbung für sie wird nicht an den antiken Mauern prangen. Tod's gehören lediglich für 15 Jahre die Rechte an den Veröffentlichungen über die Restaurierungsarbeiten. Della Valle will nicht nur, dass das Kolosseum schöner erstrahlt. Es soll ein Symbol dafür sein, dass Italien nicht stillsteht, sondern Außerordentliches zu leisten vermag. Della Valle sagt, er sei dabei, andere Unternehmer zu überzeugen, es ihm nachzutun. Pompeji, der Canal Grande in Venedig, Projekte in Florenz könnten davon profitieren. Der Mann, dessen Vermögen das Magazin Forbes auf 1,3 Milliarden schatzt, fordert einen "Plan für Italien". Dabei soll der Staat mit seinen leeren Kassen eng mit Unternehmern zusammenarbeiten. Kultur and die Tourismusindustrie sollen so auch die Wirtschaft Italiens beleben. Wenigstens Steuererleichterungen, so fordert Della Valle, solle der Staat gewahren, für die von Privaten finanzierte Rettung von Kulturgütern. 1994, als Silvio Berlusconi in die Politik ging, unterstützte er dessen Partei. Aber die Methoden des heutigen Premiers missfielen dem kultivierten, jovialen Della Valle, er ging bald auf Distanz. Er attackiert die Regierung öffentlich nicht so scharf wie Ferrari-President Luca Di Montezemolo. Aber vieles, was Della Valle sagt and tut, kann nur als Kritik an der Trägheit and Ignorant der Regierung in Rom verstanden werden. Gerade hat Montezemolo bei einer Veranstaltung seines Think-Tanks "Italia futura" gesagt, "diese zweite Republik, dieses Gemetzel" möge bald enden. Della Valles Auftreten bei derselben Veranstaltung unterstrich, dass er sich zu denjenigen zahlt, die dazu beitragen wollen, Italiens politischen Stillstand zu überwinden.