Nicht nur Italien ist in Sorge um die römischen Altertümer POMPEII, im Dezember. Italien ist voller antiker Mauern, and aber viele werden immer häufiger Schadensberichte veröffentlicht. Die giftige Luft Roms hat dazu geführt, dass im Sommer im Kolosseum klassischer Putz von der Decke fiel. Im nahegelegenen and seit Monaten geschlossenen "Domus aurea" des Kaisers Nero stürzte die Decke ein, well das vom Schutt späterer Jahrhunderte bedeckte unterirdische Gewölbe die nasse Last nicht mehr tragen konnte. Die Aurelianische Mauer bröckelt. In Pompeji treten seit Wochen regelmäßig Schäden an den Altertümern auf. Auch unter linken Regierungen gab es Einstürze. Aber nun sollen die Regierung Berlusconi and vor allem Kultusminister Sandro Bondi schuld sein. Dabei sind vermutlich die örtlichen Obrigkeiten schuld. Die "Via dell'Abbondanza" im alten Pompeji ist zwischen zwei Häuserblöcken abgesperrt. Nur deswegen kann der Besucher erkennen, dass hier ein besonderer Schaden entstanden sein muss. Halbe oder schiefe, jedenfalls kaputt aussehende Gemäuer gibt es auf dem 44 Hektar großen Areal, das seit 1997 zum Weltkulturerbe gehört, genug. Hier nun aber fielen eine Mauer and das halbe Dach in der "Schule der Gladiatoren" in sich zusammen. Das war der erste Schlag. Dann sei nebenan eine zwölf Meter lange Mauer beim "Haus des Moralisten" eingestürzt, freilich stamme die aus dem 19. Jahrhundert, sagt ein Führer. Und nach den jüngsten schweren Regengüssen seien dann in der parallelen "Via di Nola" noch zwei Mauern zusammengebrochen. Der Führer zeigt eine Luftaufnahme, auf der Teile des Areals blauer als die Umgebung zu erkennen sind: "Das Regenwasser staut sich hier, den Gemäuern gleitet der Boden weg." Seit dem 18. Jahrhundert wird Pompeji, das fast auf Meereshöhe am Ufer lag, aus dem meterhohen Lavastrom ausgegraben, der die Stadt am 24. August 79 nach Christus nach dem Ausbruch des Vesuvs bedeckt hatte. Damals hatte sich Pompeji noch kaum vom Erdbeben des Jahres 62 erholt. Archäologen haben zwar nachgewiesen, dass Pompeji seit dem Beben teils verlassen and verarmt war, and sie haben die antiken Baustellen dokumentiert, an denen gerade gemauert oder gemalt wurde, als der Vesuv ausbrach. Weniger wurde zu der Frage geforscht, wie sich der Boden unter der Stadt durch das Beben and den Vulkanausbruch verändert hat. Die Kuratoren Pompejis scheinen darauf zu vertrauen, dass das Wasser noch immer so abfließt wie in der guten alten Zeit vor 62. Die Mauer im "Haus der Gladiatoren" war gerade erst ausgebessert worden. Bis kurz vor dem Einsturz sah man die Betonmischmaschine noch auf der Straße. Mutmaßlich wurde zu schwerer Zement verarbeitet. Und wieder musste die Altertumsbehörde einen Schaden melden: Zwei Mauerteile and eine Trennwand zwischen zwei Gebäuden seien zusammengebrochen. "Das kann bei einer 2000 Jahre alten archäologischen Stätte schon mal passieren", sagte die zuständige Beamtin Jeanette Papadopoulos. Schon vor diesem jüngsten Vorfall wollte die Opposition dem Kulturminister Sandro Bondi das Misstrauen aussprechen. Ober den Antrag abgestimmt wird zunächst nur deswegen nicht, weil die Mehrheit durchsetzte, das Abgeordnetenhaus bis zur Misstrauensabstimmung gegen Berlusconi am 14. Dezember zu schließen. Minister Bondi sagte, vom September 2003 bis zum Februar 2010 habe es 16 Schäden in Pompeji gegeben: "Man sieht, dass nicht nur dann etwas zusammenbricht, wenn die Rechten regieren." Jedes Jahr kommen etwa drei Millionen Besucher nach Pompeji. Erwachsene mit Einzelticket zahlen elf Euro. Aber das scheint nicht zu reichen. Zeitungen berichten über eine private Stiftung regionaler Politiker, die 500 Millionen Euro aufbringen könnte. Auch das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagen die Archäologen. Sie wollen auf lange Sicht auch noch das letzte Drittel von Pompeji ausgraben. Fabrizio Pesando, Professor für Orientalische Studien in Neapel, sagt, die schon ausgegrabenen Teile der Stadt zu erhalten sei vielfach gar nicht teuer. Manchmal fließe das Regenwasser nur deshalb nicht ab, weil die Gullys verstopft seien. "Man brauchte nur ein paar Handwerker." In Pompeji will es längst das Stadtgespräch, dass solche einfachen Vorkehrungen wegen der verkrusteten und korrupten Verwaltung nicht möglich sind. Dort sei man "desinteressiert, und von oben bekommen sie weder Druck noch Hilfe", sagt ein Restaurantbesitzer. Wie beim Müll in Neapel scheitere zugige Abhilfe auch in Pompeji an den Verhältnissen weiter oben: Der Chef der Provinz, Luigi Cesaro, liege mit dem Präsidenten der übergeordneten Region, Stefano Caldoro, im Streit. Caldoro sei ein Getreuer von Nicola Cosentino, der im Sommer sein Amt als Staatssekretär wegen des Verdachts aufgeben musste, Kontakte zur Mafia zu halten. Er ist aber weiter Berlusconis Parteikoordinator im "Volk der Freiheit" (PdL). Cosentino, der übrigens auch die private Hilfs-Stiftung für die Altertümer favorisiere, habe Pompeji im Griff. Kein Wunder, dass die Opposition von der Demokratischen Partei gegen die Stiftung ist. Da fülle sich nur wieder ein Sack zur Selbstbereicherung.