In den italienischen Kultureinrichtungen schlagen die Wogen hoch. Die Sparmaßnahmen der römischen Regierung treffen Einrichtungen fast aller Bereiche. Das Dekret zur Neuordnung des Opernbetriebes etwa, das vom Parlament in diesen Stunden endgültig in ein Gesetz umgewandelt wird, zwingt die Musiktheater zur Einschränkung ihrer Produktionen und wird langfristig einen Qualitätsverlust zur Folge haben. In Mailand haben Mitarbeiter der Scala am Dienstag die Intendanz besetzt, zwei Aufführungen von Gounods ,,Faust" fielen in den vergangenen Tagen aus. In Florenz wurde jetzt die Abschlussveranstaltung des Maggio Musicale bestreikt. Die Sommerspielzeiten der Arena von Verona oder der römischen Oper in den Caracalla-Thermen sind gefährdet. Am Wochenende wird in Rom eine große Protestkundgebung stattfinden. Allerdings gibt es zwischen den Gewerkschaften inzwischen unterschiedliche Auffassungen über den Nutzen von Streiks, die letztlich gegen die Theater selbst und ihr Publikum gerìchtet sind. Gegen teilweise willkürliche geplante Sparmaßnahmen setzten sich auch 232 Wissenschafts- und Ku1tureinrichtungen zur Wehr, denen staatliche Fördergelder gestrichen oder zumindest halbiert werden sollen. Das reicht vom ,,Institut zur Mittelalterforschung" in Rom bis zum Dorn-Institut zur Meeresforschung in Neapel. Betroffen sind auch die Feltrinelli-Stiftung in Mailand oder die Rossini-Stiftung in Pesaro. Einer zunächst geplanten totalen Streichung der Mittel bei ausnahmslos allen Instituten hatte sieh der Italienische Staatspräsident widersetzt. Jetzt soll das Kulturministerium eine Kürzung seines einschlägigen Haushaltsansatzes um 50 Prozent vornehmen. Doch eine ganze Reihe von Instituten fällt gar nicht unter die Zuständigkeit des Ministeriums. Konfusion herrscht in der Politik, während zwischen den betroffenen Einrichtungen die E Mails heiß laufen. Nach Auskunft der Vereinigung der italienischen Kulturinstitutionen AlCI sei die Kürzung der Mittel für viele Einrichtungen existenzbedrohend. Die Historikervereinigung spricht von einem ,,Symptom der Unkultur und kultureller Armut". Auch das Deutsche historische Institut (DHI) in Rom hat sich dem Protest ,,gegen den geplanten Kahlschlag welcher bestehende internationale Kooperationen bedroht, angeschlossen. Der Direktor des DHI, Michael Matheus, fordert darüber hinaus ,,Kolleginnen und Kollegen in Deutschland auf, ihre Solidärität zu bekunden. Während in einem Nachtragshaushalt die römische Regierung durchschnittlich 10 Prozent Ausgabenminderung durchsetzen will, müssen kulturelle Einrichtungen im Verhältnis viel stärkere Einschnitte vornehmen. Wenn man diese Maßnahmen sowie die Beschneidung der Theater oder auch die Reduzierung der Filmförderung mit den weiter geplanten Kürzungen im Bildungsbereich im Zusammenhang sieht, ist es nicht schwer, darin einen ,,Frontalangriff auf die Kultur" zu erkennen, wie es etwa Lutz Klinkhammer vom DHI formuliert.
Frontalangriff auf die Kultur. Von der Oper zur Wissenschaft: Italien droht ein Kahlschlag
The Italian government's austerity measures are affecting cultural institutions across the country. The decree to reorganize the opera business has led to the reduction of productions and will ultimately result in a loss of quality. The Scala in Milan has canceled two performances of Gounod's "Faust", and the final event of the Maggio Musicale in Florence has been boycotted. The summer seasons of the Arena di Verona and the Roman Opera in the Caracalla Thermen are also at risk. A large protest rally is planned for the weekend in Rome. However, there are differing opinions among labor unions about the benefits of strikes, which ultimately harm the theaters and their audiences. 232 cultural institutions are resisting the planned cuts in funding, which will affect the Institute for Medieval Research in Rome and the Dorn Institute for Marine Research in Naples. The Italian State President has rejected a proposal to cut all funding to cultural institutions. Instead, the Ministry of Culture is planning to reduce its budget by 50%.
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