Als Neil MacGregor vor knapp zwei Jahren die Leitung des British Museum Uebernahm, beschloss er, nicht mehr oeffentlich zu klagen ueber die finanziellen Note, die ein drastisches Sparprogramm verlangten. Ein Kranker, der ueber jedes Wehwehchen klagt, wird weniger geschatzt als einer, der sein Leid stoisch ertragt und gute Miene zum maladen Spiel macht. Die Taktik hat sich bewahrt. Das Image des British Museum ist innerhalb kuerzester Zeit nicht mehr das einer verdrossenen Institution, in der die Lichter ausgehen, obwohl zum Beispiel das Graphikkabinett auf langere Zeit hin keine Ausstellungen mehr machen kann. Wie schlecht die Dinge auch stehen moegen, nach aussen wird ein Eindruck von Vitalitaet vermittelt. Eine aehnliche Strategie haben jetzt auch die 2500 nationalen und re-gionalen Museen des Landes gewaehlt in ihrem Bemuehen, der Regierung mehr Gelder zu entlocken. Statt hervorzuheben, wie sehr sie durch die ueber viele Jahre hin unzulaenglichen Subventionen in Mitleidenschafl gezogen wurden, heben sie in ihrem soeben veroeffentlichten Manifest fuer das 21. Jahrhundert hervor, welch beachtlichen Beitrag sie leisten, um damit zu rechtfertigen, dass sie eine zusaetzliche Jahres-Investition von 115 Millionen Pfund fuer die naechsten fuenf Jahre fordern. Die Statistiken sind beeindruckend: Mit hundert Millionen Besuchern im Jahr ziehen die britischen Museen ein zahlenmaessig weit grosseres Publikum an als alle Sportereignisse. Sie tragen durch ihre Praesenz und mit ihren Aktivitaeten rund zwei Milliarden Pfund zur Wirtschaft bei. Allein der Umsatz der staatlichen Museen ist mit 714 Millionen Pfund im Jahr vergleichbar mit den Kasseneinnahmen des gesamten Theatersektors. Der Umsatz der regionalen Museen wird auf 875 Millionen Pfund geschatzt, von ihrer die Regeneralion bestimmter Landesteile, wie das Gebiet um Newcastle, foerdernden Wirkung gar nicht zu reden. 85 Prozent der auslaendischen Besucher geben die Museen als einen der Hauptgruende fuer ihre Reise nach Grossbritannien an. ,,Wir regen die Kreativitaet an und bereichern das kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben, nicht nur der Nation, sondern der ganzen Welt." In einer Zeit, in der alles nach Zahlen bemessen wird, muss sich auch die Kultur die Sprache der Werbebranche aneignen. Leider faerbt sich auch deren Mentalitaet auf den Museumbetrieb ab, der immer mehr zu einem Ableger der Unterhaltungsindustrie wird. Das weckt beim Publikum auch Erwartungen, die mit dem jetztigen Budget nicht erfuellt werden koennen. Aber waehrend die Subventionen fuer Sport in den vergangenen fuenf Jahren um mehr als neunzig Prozent gestiegen sind und auch die darstellenden Kuenste in demselben Zeitraum 63 Prozent mehr erhalten haben, liegen die Museen mit einer Steigerung von 26 Prozenl weil hinten. Sie sind, so ein fuer die Konferenz der staatlichen Museumsdirektoren erstellter Bericht, Opfer ihres eigenen Erfolges. Dazu gehoert auch die Verdoppelung der Besucherzahlen durch den gebuehrenfreien Eintritt, die, so sehr dies allseits begruesst wird, zusaetzliche Belastungen mit sich bringt. Andere Teile des Kulturbetriebs haetten ihre Sorgen starker artikuliert und somit hoehere Forderungsbeitraege geerntet, heisst es in dem Bericht. Wenn sich nichts aendere, muessten sich die Museen auf die "geordnete Verwaltung des Verfalls" gefasst machen. Mancherorts ist es schon so weit.
Zu erfolgreich? Ein Manifest der Britischen Museen
The British Museum's director, Neil MacGregor, stopped publicly complaining about the financial difficulties that led to a drastic cost-cutting program. The museum's image has improved, and it is no longer seen as a depressed institution. The strategy has worked. National and regional museums in the UK have also adopted a similar approach to secure more funding from the government. Instead of highlighting their financial struggles, they emphasized their contributions to the economy and society. The museums attract a large audience, with 100 million visitors per year, and generate 2 billion pounds for the economy. The state museums' revenue is comparable to that of the theater sector, and the regional museums' revenue is estimated at 875 million pounds. 85% of foreign visitors cite museums as a main reason for their trip to the UK. The museums promote creativity and enrich the cultural, social, and economic life of the nation and the world.
Artista / Persona
Bene culturale
Luogo