Mit seiner klaren Linie zur Heimholung illegai exportierter Kunstwerke aus Museen in Amerika macht Italiens Kulturminister Rocco Buttiglione eine gute Figur. Weniger gluecklich agierte er, als er in der Regierung Berlusconi massive Kuerzungen beim Buehnenfonds nicht verhindern konnte, so dass fuer diese Saison bereits diverse Vorstellungen von den Spielplanen Italienischer Buehnen gestrichen wurden. Nun macht der fliessend deutschsprechende Philosoph, der in der Regierung die katholische Kleinpartei Udc repraesentiert, in eher sinistrer Manier von sich reden. Der Mailander "Corriere della Sera" attackiert Buttiglione unter dem Titel "Die Intellektuellen raus, die Politiker rein". Die Verwunderung der Offentlichkeit richtet sich auf Beratergremien der italienischen Filmwirtschaft und der cineastischen Archive, in denen sich in letzter Zeit die Ruecktritte auffallig haeufen. Beim Kino hatten unter Buttigliones Vorganger, dem liberalen, im Unfrieden aus Berlusconis Regierung ausgeschiedenen Giuliano Urbani, lange Zeit ausgewiesene Fachleute das Sagen. Buttiglione geht das Problem familiar an. Bei seinem personlichen "Berater fuEr Kino und Theater" - einer Funktion, die frueher der bekennende Rechte Franco Zeffirelli - innehatte - handelt es sich um Claudio Sorrentino, einen unbekannten Synchronsprecher von Kinderfilmen, der unter Kulturpolitikern, so der "Corriere", langst als "die Stimme von Gargamella, Zauberer der Schluempfe" verulkt wird. Auch andere Fondsverwalter und Subventionsverteiler rekrutieren sich aus dem Umfeld von Buttigliones vor allem in Sud-italien starker Partei. Das ist in der mediterranen Politik keineswegs ungewohnlich, doch scheint die Udc nicht iiber annaehernd genuegend Sympathisanten im Kulturbereich zu verfuegen, so dass Buttiglione samt seinem Buerochef Catone komplette Nobodys auf prominente Positionen hieven musste. Beim renommierten "Istituto Luce", das die friihesten filmischen Quellen der italienischen Geschichte arcliiviert und restauriert, wurde der Historiker Piero Melograni durch eine gewisse Mariella Calò ersetzt, die als einzige Qualifikation vorweisen kann, in der apulischen Hafenstadt Taranto der Udc-Abteilung vorzusitzen. Und im Verwaltungsrat der romischen Cinecittà, dem der Regisseur Pupi Avati vorstand, pràsidiert seit einiger Zeit der Politfunktionar Massimiliano Condemi, der zuvor den Stab eines abgetretenen Ministers leitete. Das Gremium, das an einer Renaissance der Filmwirtschaft arbeiten soli, wurde von namhaften Intellektuellen, Òkonomen und Juristen verlassen, die Buttiglione durch Experten seiner Couleur ersetzte: einen neapolitanischen Bauunternehmer oder die (mit kirchlichem Segen geschiedene) Ex-Frau des machtigen Udc-Politikers Casini. Mag sein, dass der Exodus der Experten ein vorauseilender ist, weil man die Abwahl der Berlusconi-Regierung im April erwartet. Sollte Buttiglione bei den Wahlen sein Amt verliefen, mtissten wohl auch seme Ad-hoc-Kultur-funktionare abtreten - nach Kassieren einer Abfindung.