Das war ein großer Tag für das Kunsthistorische Institut (KHI) in Florenz. In einer Feierstunde wurde gestern im Palazzo Vecchio die Restaurierung der Casa Zuccari vorgestellt und das Künstlerhaus aus dem 16. Jahrhundert nach dem Umbau dem KHI zur Nutzung übergeben. Zugleich erhielt Max Seidel, der langjährige Leiter des Institutes, die Ehrenbürgerschaft der Stadt Florenz. Zwischen 1993 und 2004 steuerte er das KHI, eine Gründung Deutscher Privatgelehrten in Florenz vom Anfang des 20. Jahrhunderts, später eine Bundeseinrichtung, in den sicheren Hafen der Max-Planck-Gesellschaft. Der heute 65-jährige Seidel zog im Hintergrund auch die Fäden beim Erwerb und der Restaurierung der Casa Zuccari. Als Federigo Zuccari in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach Florenz kam, um in der Nachfolge von Vasa-ri die Ausmalung der Domkuppel fortzusetzen, kaufte er 1577 ein Wohnhaus an der heutigen Via Giusti, das sich Andrea del Sarto rund 50 Jahre zuvor gebaut hatte. Zuccari gestaltete das Gebäude völlig um. So schmückte er den Hauptsaal im Erdgeschoss, die Sala Terrena, mit einem spätmanieristischen Freskenzyklus aus, der private Szenen aus dem Leben der Künstlerfamilie mit Zeitallegorien verbindet. Zuccari blieb nicht lange in Florenz: Er zog weiter nach England, Spanien und schließlich nach Rom, wo er sich den Palazzo Zuccari oberhalb der Spanischen Treppe baute, der heute zur Bibliotheca Hertziana gehört. Anfang der achtziger Jahre, als Seidel Vorsitzender des Fördervereins des KHI war, konnte er den Ehrenvorsitzenden der Deutschen Bank, Herrmann Joseph Abs, davon überzeugen, die Casa Zuccari zu erwerben und dem KHI zu schenken, das nur einen Steinwurf entfernt in zwei Stadtpalästen der Via Giusti untergebracht ist. Am Tag der Schlüsselübergabe, dem 25. Mai 1988, kam sogar Bundespräsident Richard von Weizsäcker nach Florenz. Die Sanierung von Haus und Grundstück, die Restaurierung der Zuc-cari-Fresken in der Sala Terrena sowie weiterer Wandmalereien aus dem frühen 17. Jahrhundert im ersten Stock waren schwieriger als geplant. In enger Zusammenarbeit mit florentinischen Denkmalschutz- und Restaurierungseinrichtungen wie dem Opificio delle Pietre Dure unter der Leitung von Cristina Acidini konnten die Arbeiten jetzt endlich abgeschlossen werden. Die Gesamtkosten von rund 2,3 Millionen Euro haben sich deutsche Bundeseinrichtungen sowie deutsche und italienische Sponsoren geteilt. In der Casa Zuccari werden jetzt Wissenschaftler Arbeitsplätze finden, dazu kommen das umfangreiche Fotolabor der Fotothek wie auch Teile der Verwaltung. Schließlich wird man das Künstlerhaus auch für repräsentative Tagungen und Seminare nutzen können. Die neuen Räume in der Casa Zuccari lösen allerdings nicht die Raumnot des Instituts, das täglich von etwa hundert meist jungen Wissenschaftlern genutzt wird. Die Bibliothek, zusammen mit der römischen Hertziana eine der bedeutendsten Sammlungen zur europäischen Kunstgeschichte, platzt aus allen Nähten. In Florenz wünscht man sich eine Unterbauung des Gartens mit natürlicher Lichtführung durch einen international renommierten Architekten. Ein wenig sehnsüchtig blickt man deshalb nach Rom, wo sich die Hertziana gerade ein neues Bibliotheksgebäude baut. Dass beide Institute jetzt über Wohnhäuser von Federigo Zuccari verbunden sind, ist dabei mehr als eine symbolische Gemeinsamkeit. Denn in Florenz, wo 44 Mitarbeiter über rund vier Millionen Euro Jahresetat verfügen, hatte man die Römer lange wegen ihrer Zugehörigkeit zur Max-Planck-Gesellschaft beneidet. Doch diese Zeiten sind vorbei. Gerhard Wolf, seit vergangenem Jahr geschäftsführender Direktor des KHI, nennt die Eingliederung in die Gesellschaft einen Quantensprung". Außerdem gibt es seit einigen Jahren den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützen Bibliotheksverbund zwischen Hertziana, KHI und dem Münchener Zentralinstitut für Kunstgeschichte - der mit rund 350 000 Titeleinträgen wohl weltweit wichtigste Bücherfundus für Kunstgeschichte. Trotz aller Gemeinsamkeiten achtet man in Rom und Florenz aber auch auf Abgrenzungen - nicht nur wegen der unterschiedlichen Traditionen und verschiedenen Forschungsfelder beider Häuser. Die Hertziana widmet sich Renaissance und Barock im römischen und süditalienischen Raum, das KHI Mittelalter und Renaissance sowie der frühen Moderne in Mittel- und Norditalien. Das KHI setzt unter Gerhard Wolf mit neuen Forschungsfeldern, die mittlerweile sogar Brücken nach Mexiko und Mittelamerika schlagen, die Linie fort, die Max Seidel bereits vorgegeben hatte: die Ausweitung des Instituts von einer Serviceeinrichtung zu einem internationalen Forschungsinstitut. Dazu passt auch das Thema des dreitägigen Kongresses, der am kommenden Wochenende zu Ehren von Seidel veranstaltet wird: Es wird um Musik und bildende Künste zwischen Renaissance und früher Moderne gehen. In einer Zeit wachsender Spezialisierungen ist dies ein Signal für einen fächerverbindenden Ansatz der Kunstgeschichte, der in die Zukunft weist.